Glück lässt sich nicht kaufen
Ägypten / Hurghada 25.05 02
Gestern nach unserem letzten Tauchgang hat mich die Gitti
gefragt: „Sag mal Jupp, hast du auch das Gefühl dass wir beobachtet werden? Du
hast so oft in die weite Runde geschaut. Ich glaube, die Delphine beobachten
uns.“
Heute sind wir den zweiten Tag auf der Sub Aqua 1. Ein schönes Schiff, ideal
für Taucher. Zur Crew gehören zwei tauchbegeisterte Deutsche. Der Michel, ein
****Koch vom Tegernsee und Gitti, unsere erfahrene Tauchbegleitung. Eine gute
U.W. Fotografin mit Augen, denen unter Wasser nichts entgeht. Ein großartiges
Team. Die Urlauber von TTS Kaindl mit Tauchbegleitung Dieter haben sich schnell
zu einer harmonischen Gruppe formiert. Die Sonne scheint, das Meer liegt wie ein
Brett vor uns. Wir bewegen uns Richtung Gubal Kebirg 27°
38´21,2“ N, 38°
49´84,1“ E. Und wieder verfolgt uns ein Schiff, das uns schon gestern unangenehm
aufgefallen war. Bei denen sind zwei Urlauber, die mit Gewalt einmal mit
Delphinen schnorcheln wollen. Kaum ist irgendwo eine Flosse zu sehe, jagen sie
mit ihrem Beiboot hinterher und vertreiben diese eleganten Meeressäuger. Ich
mache schon den nicht ernst gemeinten Vorschlag, beim nächsten Nachttauchgang
einen Bohrer mitzunehmen. Kaum liegt unser Schiff vor Anker sind wir im Wasser.
Dann sind wir mit unseren Tauchgang fertig, bis diese Irren bei uns sind. Die
kräftige Mittagssonne durchdringt mit herrlichen Lichteffekten das klare Wasser
bis zu uns in 15 m Tiefe. Links von uns eine lange hohe Korallenwand mit vielen,
vielen bunten Fischen, Nacktschnecken, Griffel- Seeigel, Krabben und sonstigen
Bewohnern. Rechts unendliche, dunkelblaue Weite und Tiefe. Eine andere, eine
wunderschöne Welt. Wie gelernt und gewohnt schaue ich auch auf meine Begleiter.
Vor mir Christian und Andrea, hinter mir Dieter und Martin, nach rechts ein
Blick zu Peter und Gitti und plötzlich sehe ich aus meinem rechten Augenwinkel
eine Gruppe Delphine. Sie schwimmen keine 8 m von mir entfernt parallel zu
unserer Richtung. Schnell ein, zwei Bilder fotografiert und der Spuk ist vorbei.
Ein kurzer Rundblick und ich komme ins Grübeln. Wir haben dieses keine fünf
Sekunden dauernde Ereignis alle gesehen. Was hat uns dazu bewogen, dass wir uns
von der schönen Korallenwand weggedreht haben? Als wären wir Marionetten. Ein
Ruck an der Schnur und wir schauen alle nach rechts. Auch Dieter und Martin, der
zudem intensiv mit der Videokamera beschäftigt war. Ein großartiges Erlebnis.
Wir wissen doch alle, dass Delphine die Presslufttaucher wegen den Luftblasen
meiden. Die Irren oben jagen mit dem Boot hinter den Delphinen her und sie
besuchen uns hier unten freiwillig.
Um den Tauchgang perfekt zu machen, zeigt uns Gitti einen
Rundflecken-Anglerfisch auf einer Koralle, der so gut getarnt ist, dass wir alle
an ihm vorbei geschwommen wären. Die ersten nähern sich den 50 bar und wir
beginnen mit dem Aufstieg. Sicherheitsstop und rauf aufs Schiff. Während wir uns
aus dem Neopren pellen sind natürlich alle voller Begeisterung über die
Delphine. Und keiner weiß, wieso jeder nach rechts geschaut hat. Nach dem
Abendessen sitzen wir rundherum zufrieden vor dem Bildschirm und betrachten uns
Dieters Video-Tagesausbeute. Einige erkennen den Anglerfisch erst jetzt, als
Dieter die Umrisse des Fisches mit dem Finger nachzeichnet.
Gut, dass nicht alle Tauchgänge so großartig sind, ich würde mir sonst
vielleicht Kiemen wünschen.

Q - Hirte
