Saiblinglaichplätze putzen

 

An dieser Stelle möchte ich eine Taucherfahrung der „etwas anderen Art“ wiedergeben!

 

Da hat man seine Grundausbildung endlich überstanden. Wenn es zum Tauchen geht, ist man aufgeregt, ein bisschen mulmig ist einem schon noch, dann hat man endlich die Klamotten an, die Flasche auf dem Rücken, muss sie evtl. noch mal ablegen, da man den Bleigurt vergessen hat, dann endlich beim Check alles ok, Flossen in die Hand, Taucherbrille auf und ab in den See! Letzter Check, ok – down under ...

Es ist die Zeit, Tauchgänge zu sammeln, um endlich ruhiger zu werden, richtig zu tarieren, seine Atmung zu kontrollieren und irgendwann, nach weiteren 10, 20 oder sogar 30 Tauchgängen kann man es genießen – es wird einem schon fast langweilig.

Da wird man gefragt, ob man nicht mal helfen würde, Laichplätze zu putzen. Laichplätze putzen? Wofür? Für wen? Für was? Nun, für die Fische, die man in geräuchertem Zustand so gerne isst, die fantastisch schmecken, verfeinert mit Sahnemeerettich und einem Stück frischem Brot – Saiblinge!!

Oh, das auch noch? Tauchen und Arbeiten? Geht das? Großes Fragezeichen. Die Auskunft, dass man das „nur“ auf 4 bis 6 oder 8 m erledigt, beruhigt zwar, was ist das schon für eine Tiefe? Läppisch – aber ... Ok, man isst die geräucherten Saiblinge wirklich gern, also, warum ihnen nicht den Platz vorbereiten?

Beim nächsten Tauchgang, man bzw. Frau ist inzwischen versiert, keine Frage, nichts mehr wird vergessen, die Aufregung ist längst weg, bekommt man eine Harke in die Hand gedrückt. Marsch ins Wasser, mit Flossen, Taucherbrille, Handschuhe und Harke! Kein Thema, keine Blöße zeigen. Das Wasser ist inzwischen schon kälter, es ist schließlich Mitte Oktober, ab Ende Oktober sind diese Plätze zum Tauchen gesperrt aus eben jenem Grund: die Saiblinge laichen!

Beim Abtauchen ein leichtes Schaudern, es ist doch ein bisschen kälter als erwartet, doch das sollte der letzte Gedanke an Kälte sein. Die Tiefe von 4 bzw. 6 m ist schnell erreicht, mein erfahrener Tauchpartner macht vor, wie ein Platz von 1,50 x 1,50 m frei zu harken ist, damit eben jene wohlschmeckenden Fische einen Platz finden, reserviert extra für sie, um abzulaichen. Ich beginne mit meiner Arbeit, während mein Tauchpartner ca. 3 m unter mir arbeitet. Beigebracht wurde mir, unter Wasser möglichst nichts zu berühren, die Unterwasserwelt zu respektieren, denn ich bin der Eindringling, der sich an den Dingen da unten erfreuen möchte und jetzt? Mit jedem Durchziehen der Harke durch den staubig-sandigen Untergrund wird das Sediment aufgewirbelt. Man bzw. Frau kommt sich vor, als ob sie die gesamte Unterwasserwelt zerstört. Nach ca. 1,50 m taucht man einige Meter weiter und wiederholt die Prozedur. Ab und zu ein Blick nach unten, der Tauchpartner tut ebenfalls sein Bestes, um freie Plätze zu schaffen. Man ist für sich allein, es wird einem mehr als warm, ein Blick auf die Luftanzeige: ruhigeres Atmen wäre von Vorteil um den Luftverbrauch zu drosseln! Ich versuche, alles was ich gelernt habe, gleichzeitig umzusetzen: optimales Tarieren, ruhiges Atmen, gleichmäßiges Atmen und dazu noch ein gutes Werk tun. Es fängt an, Spass zu machen. Die Zeit vergeht wie im Flug, irgendwann wieder ein Blick auf das Finimeter, oh, es wäre nicht schlecht, langsam Schluss zu machen.

Wir beenden unsere Arbeit, drehen um und ... tja, ich hatte auch gelernt, kein Sediment aufzuwirbeln. Was wir getan hatten, war natürlich ganz bewußt geschehen mit dem Effekt – Sicht gleich null! Der Rückweg musste also in der Tiefe zurückgelegt werden. Die Anstrengung war weg, die Wärme ließ nach und puh, hier unten auf 10 bzw. 12 m war es verdammt kalt. Aber, die Saiblinge würden es uns danken und dafür fror man gern mal auf 10 Minuten Rückweg. Beim Auftauchen erfüllte mich auch Stolz darauf, dem Fischer geholfen zu haben. So war dieser Arbeitstauchgang ein Genuss der „anderen, besonderen Art“ gewesen, nicht tief aber effektiv!