Urvieh
Ägypten / Hurghada / 28 05.02
Mein Tauchgang mit einem Urvieh
Gerade als wir auf der Sub Aqua 1 zu einem Tauchgang am Sijul Kebir in das Zodiak steigen wollten, sahen wir eine Seeschildkröte, die gemächlich auf das Schiff zu und darunter durchschwamm. Nach einer kurzen Absprache zwischen Dieter, mir und den Anderen lösten wir uns von der Gruppe, in der Hoffnung, von diesem Tier eine schöne Szene mit seiner UW-Video-Kamera machen zu können. Schon nach kurzer Zeit erblickten wir eine uns unvergessene, märchenhafte Szenerie, die wir uns schöner nicht hätten vorstellen können. Die Schildkröte stützte sich mit ihren vorderen Flossen auf einem riesigen Korallenstock ab, auf dem viele Brokkoli- Lederkorallen wuchsen. Diese waren das Objekte ihrer Begierde. Mit ihrem scharfen, kräftigen, schnabelförmigen Maul biss sie sich immer wieder ein Stück von diesen Weichkorallen ab. Bei jedem Biss wurde eine trübe, weißliche Substanz frei, die sich langsam ausbreitete und wie ein Schleier durch das klare Wasser zog. Vorsichtig bewegten wir uns auf den reichlich gedeckten Tisch mit seinem urtümlichen Gast zu, der sich Gott sei Dank nicht stören ließ. Immer wenn die Schildkröte zubiss, drang diese trübe, weißliche Substanz wie Rauch aus den Atemlöchern. Unwillkürlich drängte sich uns der Vergleich mit einem rauchenden Drachen auf.
Und wir durften das bei weniger als 1,5 Meter Abstand live beobachten.
Nach dem Abendessen schauten wir uns das Video gemeinsam an und so konnten unsere Tauchfreunde an dem Drachenerlebnis auch teilhaben.
Es bedarf einer gehörigen Portion Erfahrung und Konzentration, wenn man bei einer Strömung, über einen längeren Zeitraum ein Objekt filmend, den Korallen nicht zu nahe kommen will, denn viele harte Korallen wachsen nur 0,5 mm, manche 5mm pro Jahr, und wie schnell sind die Korallentierchen an den Oberflächen geschädigt oder große Elemente des Stockes abgebrochen.
Auch in solchen Situationen, so faszinierend und außergewöhnlich sie auch sein mögen, dürfen wir Taucher auf keinem Fall der Umgebung, in der wir nur Gast sind, Schaden zufügen.
Nebenbei: Dass sich Feuerkorallen nesselnd, also brennend zur Wehr setzen, finde ich nur gerecht.
Eine gründliche, gediegene Ausbildung ist die Voraussetzung um ein Teil der Natur zu sein, dieselbe unbeschadet zu erhalten, solche Erlebnisse genießen zu können und selbst wohlbehalten den Obengebliebenen davon berichten zu können.
Dieter, hiermit möchte ich mich noch einmal bei Dir und TTS Kaindl für die gute Ausbildung 1998 im Starnberger See bedanken.